Montag, 23. Januar 2012 Tags: , 0 Kommentare

Wissenschaftliche Hausarbeiten – Anleitung zur formal richtigen Hausarbeit

Nachdem die Frage "Wie...?" bei Hausarbeiten doch sehr häufig vorkommt, haben wir mal eine Expertin gefragt. Jessica Jäger ist Redakteurin bei just-study.com und beschäftigt sich dort mit der Studienplatzklage. Sie hat für uns dazu ein paar wichtige Punkte im folgenden Beitrag zusammengefasst.

In vielen Studiengängen gehören Haus- und Seminararbeiten zu den gängigen Wegen, Leistungsnachweise zu erbringen. Zwar hat so ziemlich jeder Dozent seine eigene Vorstellung von der formal optimalen Hausarbeit, einen gewissen Grundtenor an Anforderungen gibt es jedoch. Es bleibt zwar offen, ob die Arbeit inhaltlich überzeugt, aber zumindest formal-inhaltlich wird der Prüfer bei Hausarbeiten, die nach folgendem Schema erstellt worden, nicht viel zu kritisieren haben. Dennoch kann die Arbeit natürlich aufgrund inhaltlicher Belange weiterhin durchfallen.

Die Gliederung – sinnvoll und logisch

Anhand der Gliederung lässt sich bereits viel über die Qualität der Arbeit sagen. Es gilt also, bereits hier zu überzeugen.

  • Das Deckblatt sollte je nach Vorgabe der Fakultät oder des Instituts, den Namen jener und der Hochschule tragen. Zudem natürlich Name, Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse des Studierenden. Ferner müssen der Name des Dozenten und der Lehrveranstaltung und natürlich der Titel der Arbeit klar ersichtlich sein.
  • Das Inhaltsverzeichnis beginnt bei dem Punkt Einleitung und endet bei dem Literaturverzeichnis. Titelblatt und Inhaltsverzeichnis werden übrigens nicht nummeriert. Somit beginnt bei der Einleitung die Seitenzählung jedoch nicht bei 1 sondern bei dem jeweiligen Blatt, auf dem die Einleitung beginnt.
  • Wenn vorhanden, würde nun das Tabellen- und Abbildungsverhältnis folgen. Dies sollte jedoch nur in Ausnahmefällen Anwendung finden.
  • Es schließen sich Einleitung, der Hauptteil und der Schluss der Arbeit an.
  • Das Literatur- und Quellenverzeichnis gehört neben dem möglichen Anhang und dem fakultativen Abkürzungsverhältnis zu den abschließenden formalen Kapiteln der Belegarbeit.
  • An einigen Hochschulen wird zudem eine Selbstständigkeitserklärung verlangt, um zu belegen, dass die Arbeit aus der Feder des Studierenden stammt.

Die Einleitung – Hinführung, Ablauf und Forschungsstand

In der Einleitung wird das Thema angerissen und es werden wissenschaftliche Gründe geliefert, weshalb die vorliegende Arbeit für die Forschung von Interesse sein könnte. Hier ist es wichtig, bereits eine Problemfrage zu entwickeln oder Hypothesen aufzustellen, die im Schlussteil wieder aufgegriffen werden, aber während es Hauptteils permanent in der Betrachtung bleiben. Nichts ist schlimmer als eine Arbeit, welche schon formal einen roten Faden im Sinne eines Problems, das gelöst und zusammen gefasst werden muss, vermissen lässt.

Bei Bachelor-, Master-/Magister-, oder Diplomarbeiten und Dissertationen kann der Problemaufriss bzw. die Formulierung des Problems auch gesondert in einem Punkt nach der Einleitung Platz finden. In die Einleitung gehört es jedoch, kurz den Ablauf der Kapitel mit einigen wenigen, paraphrasierenden Worten zu beschreiben. Ein Blick auf den Stand der Forschung, also Angaben zur Fülle oder zum Mangel von wissenschaftlichen Beiträgen, sollte die Einleitung abschließen. An dieser Stelle darf auch gern auf die Standardwerke, die für diese Arbeit genutzt wurden, explizit hingewiesen werden.

Der Hauptteil – Beweisführung, Hauptargumentation und vorläufiges Ergebnis

Der Hauptteil sollte ungefähr 80 % der gesamten Arbeit ausmachen und stringent das in der Einleitung angesprochene durchführen. Je nach Länge der Belegarbeit ist eine mehrfache Untergliederung des Hauptteils sinnvoll, jedoch nicht zwingend nötig. Bei einem wissenschaftlichen Essay muss der Hauptteil bspw. keinesfalls eine Gliederung aufweisen.

Formal-inhaltlich geht es in diesem Teil natürlich darum, argumentativ das gestellte Problem anzugehen. Mit Hilfe verschiedener Methoden, die im Übrigen auch kurz erläutert werden sollten, wird versucht, das Problem zu fassen und die Zielrichtung der Arbeit beizubehalten. Wichtig ist hierbei weniger die Fülle der Aussagen zur Problemlösung als die klare Argumentation. Sollten mehrere Forschungsperspektiven auf das behandelte Objekt vorhanden sein, so muss sich der Autor der Seminararbeit entweder argumentativ positionieren oder aber kurz die Hauptperspektiven erläutern (an dieser Stelle wären Unterkapitel angebracht). Ansonsten kann der Hausarbeit Einseitigkeit vorgeworfen werden.

Exkurse: Exkurse sind in Haus-, Seminar-, oder Belegarbeiten weniger angebracht, da ein Exkurs eigentlich nicht zum Thema gehört und deshalb eigentlich auch nicht in die Arbeit aufgenommen werden sollte. Auch bei Abschlussarbeiten oder Dissertationen sind Exkurse im Prinzip wenig hilfreich. Exkurse sind im engeren Sinne nur etwas für Forschungsarbeiten fortgeschrittener Wissenschaftler, die einen Blick in andere Richtungen werfen wollen. Zusätzliche Informationen sollten viel mehr in Fußnoten abgehandelt werden.

Am Ende des Hauptteils sollte ein Lösungsvorschlag zumindest gegeben sein, besser jedoch gleich (wenn möglich) zur Anwendung kommen, womit das Hauptanliegen der wissenschaftlichen Arbeit an dieser Stelle bereits vorläufig erreicht ist.

Schlussteil – Zusammenfassung, Problemlösung und Ausblick

Am Ende der Arbeit sollte in einem Kapitel in ähnlicher Länge wie die Einleitung das Vorgehen in Kurzfassung rekapituliert und das Ergebnis bestärkt werden. Die Problemlösung sollte im Zusammenspiel mit der Problemfrage oder den Hypothesen deskriptiv aufgezeigt werden, bevor ein möglicher Ausblick das Resultat der Arbeit für weitere Forschungsansätze als gewinnbringend dargestellt.

Eine persönliche Einschätzung der Ergebnisse ist mit Vorsicht zu genießen und sollte eher zaghaft geschehen. Da die Arbeit vom Studierenden selbst erstellt wurde, ist zu erwarten, dass sich das Ergebnis mit der Ansicht des Verfassers deckt. Nur im Falle, dass das Ergebnis nicht mit den einführend angestellten Vermutungen übereinstimmt (was dennoch ein respektables Resultat sein kann und die Arbeit dadurch inhaltlich nicht verschlechtert), sollte eine kurze Positionierung und Begründung für diese Tatsache angegeben werden.

Wir bedanken uns für diesen ausführlichen Beitrag bei Jessica und wünschen euch gutes Gelingen bei euren Hausarbeiten.

No Response to "Wissenschaftliche Hausarbeiten – Anleitung zur formal richtigen Hausarbeit"

Kommentar veröffentlichen